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Unsere KI-Zukunft: Was verschwindet und was wird wertvoll?

Während ich gerade darauf zurückblicke, wie sehr sich meine Arbeit innerhalb eines Jahres verändert hat, bin ich am Überlegen, was wohl in den nächsten ein, zwei Jahren passieren wird.

Wir stehen mitten in einem Umbruch des Internets. Das Werbeinventar im offenen Web ist im zweiten Quartal 2026 gegenüber dem Vorjahr zwischen 32 und 41 Prozent eingebrochen — so das Publisher-Netzwerk Ozone. Dabei geht es nicht um ein paar kleine Blogs, sondern um Schwergewichte.

Portale werden von mehr Bots und Agenten besucht als von Menschen. Ganze Geschäftsmodelle funktionieren dadurch nicht mehr, und zwar nicht schleichend, sondern innerhalb weniger Quartale. Ich merke das an meinen eigenen Projekten deutlicher, als mir lieb ist.

Als nächstes finde ich folgende Entwicklungen logisch:

  • Der Job des Programmierers, der Code nach Spezifikationen schreibt, wird verschwinden. Viel wichtiger (und besser bezahlt) wird der „Architekt“, der die Verantwortung übernimmt und dafür unterschreibt, dass es funktioniert 😉. Die Arbeit der Softwareentwickler wird sich auf das Review und die Fehlersuche maschinengenerierten Codes verlagern. Ich finde das persönlich auf Dauer anstrengender, als Code selbst zu schreiben.
  • Die Webseite verschwindet als „Ziel“ für Menschen und wird hauptsächlich von Bots und Agenten besucht. Es braucht im Web jetzt gut strukturierte, zitierfähige Datenquellen anstatt fancy Animationen. Unternehmen, aber auch Behörden oder Archive, werden Agenten-Schnittstellen benötigen, um teilnehmen zu können.
  • Kostenlose und günstige KI wird demnächst über Werbung finanziert werden. Wer sich kein teures Abo leisten kann, wird eine werbefinanzierte Antwort erhalten.
  • Die Flutung der Kanäle mit KI-Inhalten führt zu Model Collapse. Vertrauen wird knapp und teuer. Es entsteht Bedarf an zertifizierten „menschlichen“ Inhalten. Kuratierte, verifizierte Räume mit geprüften Beständen werden kostbar. Provenienz als Dienstleistung.
Cloudflare Radar Statistik Traffic Bot vs Mensch
Wie viel des deutschen Web-Traffics von Bots stammt und wie viel von Menschen — tagesaktuell nachzusehen bei Cloudflare Radar

Das klingt jetzt vielleicht nach Abgesang, ist aber keiner. Der letzte Punkt ist nämlich der interessanteste: Wenn Inhalte beliebig erzeugbar werden, verliert das Erzeugen seinen Wert und das Prüfen wird wertvoller. Was jahrelang als lästige Fleißarbeit galt, wird zum eigentlichen Kapital.

Wer heute schon sauber strukturierte, geprüfte und nachvollziehbar von Menschen erstellte Inhalte hat, steht also nicht schlechter da als früher, sondern besser. Er wird nur auf eine andere Art dafür bezahlt werden müssen als über Bannerwerbung, und diese Art gibt es noch nicht. Das ist die eigentliche Lücke, und wer sie schließt, wird in ein paar Jahren ein interessantes Geschäft haben.

Ein Bibliothekar übergibt wichtige Daten an einen Roboter
Provenienz als Dienstleistung. Vielleicht das Geschäftsmodell von übermorgen.

Ich bin gespannt und bereit 😉.